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Die Ankunft: Kulturschock pur...

1.Tag

Als wir aus dem Flugzeug ausgestiegen sind mussten wir ersteinmal durch die  Passkontrollen. Ein lustiges Schauspiel, den jeder der hier eine Uniform an hat  ist unheimlich wichtig und möchte auch so behandelt werden. Nachdem unser Pass zweimal durchgesehen worden ist konnten wir dann zum Gepäckband durchgehen. Es dauerte nicht lange und das Gepäck kam über das Band gelaufen. Wir nahmen unsere  Rucksäcke und legten sie auf den Gepäckwagen. Schon hier, eigentlich noch gesperrte Zone, wurden wir ständig angequatscht ob wir ein Taxi benötigen. Da wir ja davon ausgingen das wir vom Hotel abgehohlt werden würden verneinten wir höflich. Wir gingen aus der Gepäckhalle hinaus und da geschah es: Wir prallten ohne in Deckung gehen zu können voll mit der madegassischen Kultur, Bevölkerung und Mentalität zusammen. Zum ersten mal verstand ich das Wort  Kulturschock! Bestimmt 15 Mann in, für uns, lumpigen Klamotten kamen auf uns zu gelaufen und zerrten an unserem Gepäckwagen. Alle wollten ihn schieben und alle wollten uns in die Stadt fahren. Wir schauten uns um und suchten jemand vom Hotel Belvue, doch leider war niemand da. Ok. Ruhe bewahren und nachdenken. Telefonieren! Wir rufen Virginies Verwandte an, sie sollen uns abholen. Tolle Idee, eineTelefonzelle war schnell gefunden, doch wir hatten kein Geld. Also, Geld wechseln, wir mussten als erstes Geld wechseln. Bei dem Wort Geldwechseln bzw. Changé kamen dann noch weitere Leute auf uns zu gestürtzt die alle uns anboten Geld zu wechseln. Wir verneinten höflich, aber schon durchaus  energischer. Denn das hatten wir sofort gelernt, wenn man nicht energisch auftritt hat man keine Chance.

 Wir wurden dann zu einer offiziellen Wechselstube geführt und ich tauschte erstmal einen Traveller-Scheck über 200Franc ein. Ich bekam dafür einen riesen Batzen Papiergeld, ohne jedoch den Gegenwert jedes Geldscheins zu kennen. So, nun brauchten wir ein Taxi. Wieder heulte die Meute. Wir machten kurzen Prozeß und entschieden uns für den Erstbesten. Die beiden Gepäckwagenschieber verlangten nun natürlich ein Trinkgeld und da wir nicht  wussten wieviel man gibt und wieviel dieses ganze Papiergeld wert ist, gaben wir ihnen ein 10FF Stück. Endlich saßen wir im Taxi und hatten endlich mal etwas Ruhe. Wir verhandelten noch mit dem Taxifahrer über den Preis, denn der wollte plötzlich auch mehr als er eben noch sagte. Aber auch wir wurden uns einig und es ging los! Antananarivo (Tana) ist eine Stadt die auf mehreren Hügeln liegt, einen Stadtplan gibt es nicht, deshalb weis ich auch nicht ob wir  im Osten, Westen, Norden oder Süden waren.

Das Verkehrssystem ist das reine Chaos. Es gibt, wie man uns sagte, in dieser Millionenstadt nur 4 Ampeln, diese funktionieren aber nur sehr selten, da die Glühbirnen sofort geklaut werden.  Verkehrsschilder existieren auch keine, nur wild umherpfeifende und -winkende  Polizisten an jeder Kreuzung. Ein System ist, selbst für Virginie die den Pariser Verkehr kennt, nicht zu erkennen. Für Oldtimerliebhaber sind die Straßen von Madagaskar das reinste Paradies. So viele schöne, durchaus aufwendig gepflegte, alte Autos aller Hersteller gibt es sonst glaube ich nirgends auf der Welt.

Nach ca. 45min Fahrt und einmal Polizisten bestechen kamen wir an der  Abzweigung zum Hotel an. Diese Straße war dann nochmal der Höhepunkt. Es ging von einem ins andere Schlagloch und wir brauchten für 150m nochmal 10min! Angekommen im Hotel Belvue, in dem wir unsere Reise nochmal mit Fr. Schwarte besprechen und die Hotelvouchers abholen wollten, tranken wir ersteinmal eine kalte Coke. Was für ein Genuß! Nach zwei Stunden war dann alles geklärt und wir wurden noch einem Münchner Ehepaar vorgestellt die schon ein paar Tage länger hier waren und sich so langsam aklimatisierten. Sie hießen Conny und Rolf. Fr. Schwarte organisierte uns ein Taxi und wir fuhren zu Virginies Tante und Cousine nach Hause.

Die Beiden wohnen in einer schönen Wohnsiedlung in einem kleinen Reihenhaus. Die Freude war groß, denn Virginie hatte ihre Tante seit drei Jahren nicht mehr gesehen. So lange lebte sie auch schon hier in Madagaskar, denn sie arbeitet in der franz. Botschaft. Am Abend kam noch Virginies Onkel (nicht der Mann von der Tante bei der wir waren) mit der anderen Tante und den zwei Cousinen. Wieder war die Freude groß, denn auch sie lebten schon 3 Jahre hier in  Madagaskar und arbeiteten als Mathelehrer an der franz. Schule. Es gab was leckeres zu essen und wir wurden über die Gepflogenheiten des Landes aufgeklärt. Hierbei wurde uns dann auch klar, dass wir den Gepäckträgern am Flughafen das 15fache des üblichen Trinkgeldes gegeben haben. Später zauberte der Onkel eine Tüte voll mit Geldbündeln hervor die er bei einem reichen Madegassen getauscht hatte. Bei ihm erhielten wir natürlich ein sehr guten Wechselkurs und RuckZuck waren wir Millionäre!!! Wir hatten jetzt 3000000 Franc Malgache (FM), das entspricht ca. 3000FF bzw. 1000DM bzw. 500EUR. Total erledigt gingen wir ins Bett.
 

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©  Tobias Dick 01/2003