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St. Marie, die Pirateninsel

Tag 8

Um 5Uhr klingelte der Wecker und nach einer halben Stunde saßen wir im Taxi. Die Fahrt zum Flughafen dauerte nur 5 Minuten. Sofort stürzten sich wieder die Gepäckträger auf uns, die sich wohl noch an unser fürstliches Trinkgeld vom ersten Tag erinnerten. Diesmal gab es den üblichen Tarif 500FMG. Sie moserten zwar, aber als ich den Schein wieder wegstecken wollte, wahren sie doch zufrieden.
Wieder flogen wir mit einer Twin Otter. Der Flug dauerte 1,5 Stunden und war leider komplett über einer geschlossenen Wolkendecke. Doch plötzlich lag sie vor uns St. Marie, die Pirateninsel. Schon von hier oben sah man das hier auf St.Marie tropisches Klima herrscht. Alles war satt grün und üppig bewachsen. Kein Vergleich also zu dem trockenen Gebiet rund um Morondava. St. Marie heißt auf madagassisch Nosy Boraha, aber selbst die Einheimischen nennen es St. Marie. Die Insel ist ca. 50 km lang und an der breitesten Stelle nur 6km breit. Mitte des 19.JH sollen hier bis zu 1000 Seeräuber aller Nationen gelebt haben.

Der Flughafen war eigentlich nur eine kleine Hütte. Vor dieser Hütte standen eine Menge Menschen. Jeder von Ihnen hatte ein Fotoalbum mit Bildern der jeweiligen Hotels dabei. Und so ging das werben um Hotelgäste los. Da wir ja schon gebucht hatten, setzten wir uns in den Kleinbus unseres Hotels und sahen dem Treiben zu. Die anderen Touris hatten die Qual der Wahl, aber nach 15 Minuten war auch der Zum Vergrößern bitte anklicken!Letzte untergebracht.
Wir fuhren los zu unserem Hotel. Nach 20min über eine Lehmpiste kamen wir an. Wir wohnten in einem kleinen Bungalow im Hotel Orchidée Bungalow. Unser Bungalow war nur 10m von einem traumhaften Strand entfernt. Das Wasser schimmerte türkis, der Sand war weiß und die Palmen ragten fast bis ans Meer heran. Bacardi Feeling...
Da es ja noch recht früh war genehmigten wir uns ersteinmal ein Petit Dejeuner Continental das es hier in Madagaskar in jedem Hotel für die Touris gibt. Es besteht aus getoastetem Brot, Marmelade, Butter (mit so wenig Fett das sie bröckelt) und gesüßter Kondensmilch. Die Madagassen hingegen frühstücken Reis oder trinken das Wasser in dem der Reis gekocht wurde.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Inselhauptstadt Ambodifotatra (2500 Einw.) Der Weg dorthin zog sich ziemlich, aber die grandiose Natur entschädigte dafür. Bevor man von Süden her nach A. kommt muss man erst über einen Steg auf die kleine Insel Ilot Madame und von dort dann wieder über einen Steg nach Ambodifotatra. Gleich hier am OrtseingangZum Vergrößern bitte anklicken! liegt eine alte Seeräuberkirche. Sie wurde um 1860 von den Piraten gebaut. Heute beherbergt es ein Kinderheim das von Nonnen geführt wird. In Ambodifotatra gibt es nicht viel zu sehen. Die Stadt ist ja auch ziemlich klein. Wir kauften uns hier die beste Ananas die ich jemals, bis heute, gegessen habe. Es fällt auf das hier viele Europäer leben. Die meisten sind Aussteiger die sich hier ihren Lebenstraum erfüllen. Auf dem Rückweg aßen wir noch in einem kleinen Restaurant Crevette mit Cocossoße. Was für ein Spektakel für die Geschmacksnerven... In diesem kleinen Restaurant war das Essen nicht teuer, aber im Hotel und auch sonst auf St.Marie war alles teurer als in Morondava. Erschöpft vielen wir dann ins Bett, gut eingeschmiert und unter dem Moskitonetz versteckt, denn hier soll es sogar schon resistente Moskitostämmen gegen Lariam geben!

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Tag 9

Heute wollten wir den Tag auf der südlich von St. Marie gelegenen kleinen Insel Ile aux Nattes verbringen. Wir liehen uns dafür im Hotel zwei Fahrräder aus. Was man hier halt für Fahrräder hält... Nach nur kurzer Zeit verbog sich meine Sattelstange so sehr das ich nicht mehr fahren konnte. Zum Glück waren wir noch nicht allzu weit gefahren und so tauschten wir das Rad im Hotel gegen ein funktionierendes aus. Das Wetter war heute sehr wechselhaft. Es regnete in Strömen und der Himmel war mit dunklen Wolken bedeckt und eine halbe Stunde später schien die Sonne und es war keine Wolke mehr zu sehen. Eine weitere halbe Stunde später schüttete es wieder und so ging es den ganzen Tag weiter.
Wir fuhren also mit unseren Rädern Richtung Süden. Nach einiger Zeit kamen wir wieder am Flughafen vorbei und kurz dahinter warteten schon einige Boote auf Kundschaft. Ein älterer Mann brachte uns in seinem Einbaum auf die benachbarte Insel. Das Wasser war glasklar, man konnte bis auf den Grund schauen. Nach 10 minütiger Überfahrt kamen wir auf der Insel an. Hier war es ziemlich einsam. Es gibt zwar noch einige Hotelanlagen hier, aber die waren nicht zu sehen. Wir schnappten uns unsere Taucherbrillen und Schnorchel und sprangen ins Wasser. Was für eine traumhafte Welt! Es sah aus wie im Aquarium. Hunderte bunte Fische schwammen um die Korallen. Wir konnten uns gar nicht satt sehen. Leider war die Strömung ziemlich stark, aber es war trotzdem wunderschön.
Nachdem wir uns ausgeruht hatten machten wir noch einen kleinen Spaziergang am Strand entlang. Jetzt sah man auch die vorgelagerten Riffe, die den Strand vor Haien schützen.
Zur verabredeten Zeit holte uns der Piroge wieder ab. Auf dem Weg nach Zum Vergrößern bitte anklicken!Hause wurden wir noch einige Male klitschnass.
Abends fuhren wir mit den Rädern noch nach Ambodifotatra um im Restaurant Au bon Coin zu essen. Auch hier schmeckte das Essen hervorragend und Virginie konnte nicht mehr aufhören frisch gepressten Ananassaft zu trinken. Plötzlich fiel der Strom aus, aber die Kellnerin beruhigte uns und erklärte uns das die Stadt den Strom abschalten würde um zu sparen.
Danach fuhren wir ohne Licht zurück zum Hotel und fielen wie jeden Abend todmüde ins Bett.

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Tag 10

Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir mit dem Wagen des Hotels in den Norden der Insel. Dort wollten wir in der Nähe des Hotels La Crique die Insel Richtung Osten durchwandern um an der Ostküste an einer LaguneZum Vergrößern bitte anklicken! anzukommen.
Die Fahrt zog sich ziemlich denn die Straße, übrigens die einzigste hier auf St.Marie, war in einem äußerst schlechten Zustand. Wir kamen an einem schönen Wasserfall vorbei und nutzten das für eine kleine Pause.
Weiter ging es über Stock und Stein. Hin und wieder arbeiteten Leute an der Straße. Sie zerkleinerten Felsbrocken zu Kieselsteinen und füllten dann die Schlaglöcher. Unser Fahrer sagte das jede Familie die hier an der Straße lebt von der Regierung den Auftrag hat die Straße in Ordnung zu halten. Natürlich bekamen sie auch ein kleines Trinkgeld von den Fahrern dafür.

Am Hotel la Crique angekommen besichtigten wir die Hotelanlage. Das Hotel war vorübergehend geschlossen aber in einem tadellosen Zustand. Der Zum Vergrößern bitte anklicken!Strand war wunderschön und wir fanden dortZum Vergrößern bitte anklicken! einen lustigen Stein. Ich hätte ihn gerne mitgenommen, denn er sah aus wie ein Asteroid, aber er war viel zu schwer.
In der Nähe des Hotels warteten schon eine Menge Guides auf uns. Wir verhandelten einen Preis und gingen dann mit Christian, unserem Guide, los. Nach nur wenigen Metern hatte uns der dichte Regenwald völlig verschluckt. Über Trampelpfade suchten wir uns einen Weg durch das Dickicht. Es war ziemlich anstrengend, denn wir stiegen auf und wieder ab und das bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit. Alle 30min kam für 5min ein Regenguss hernieder. Die Landschaft veränderte sich nun in gerodete Berge von denen aus man immer das Meer sehen konnte. In jedem Tal war ein kleiner Fluss zu überwinden. Manchmal gab es einen Steg, manchmal ein paar Steine und manchmal standen wir auch knietief im Schlamm. Unser Guide legte ein ordentliches Tempo an den TagZum Vergrößern bitte anklicken!, aber wir liesen uns Zeit um uns alles genau anzuschauen. Christian sah mit dem Blick eines Einheimischen ein großes Chamäleon. Es war ein ganz schöner Brummer als ich es auf meiner Hand hatte.
Auf einmal kamen wir in einem Dorf an. Ein alter Mann fragte uns ob er uns über die Lagune zu einem schönen Strand bringen sollte. Wir willigten ein und machten uns auf den Weg dorthin. Hier wuchs Pfeffer und wir sahen auch Vanillesträucher anZum Vergrößern bitte anklicken! denen die noch grünen Schoten hingen. Den grünen Pfeffer direkt von den Bäumen zu pflücken und zu kauen schmeckte gut. Kurz hinter dem Dorf veränderte sich die Landschaft wieder völlig. Es sah aus wie in einem aufwendig gepflegten englischen Garten. Doch die Pflanzen wuchsen einfach so, ohne das sich jemand kümmerte. Wir stiegen in die Piroge und fuhren durch Mangroven hinaus in die Lagune. Auf der anderen Seite angekommen kletterten wir noch über einen Hügel und da lag er vor uns... kilometer langer einsamer weißer Sandstrand! Das Wasser war herrlich warm aber der Wind pfiff ziemlich heftig. Wir aßen eine Ananas und machten uns auf den Zum Vergrößern bitte anklicken!Rückweg. Wieder ging es 2,5h über Stock und Stein, Berg hoch und runter, Schuhe an Schuhe aus. Irgendwann dachte ich mir, nachdem ich in 10min 3x meine Schuhe an- und ausgezogen hatte, ich laufe auch einfach barfuß. Das hätte ich mal lieber sein lassen sollen. Meine Füße taten mir höllisch weh und jeder Schritt war eine Qual. Aber wir waren auch schon fast am Ziel. An der Straße angekommen wartete der Wagen auch schon auf uns und wir fuhren zurück ins Hotel.
Leider war mal wieder Stromausfall und so konnten wir nicht duschen. Die Moskitos hatten uns auch übel erwischt und wir hofften das wir uns keine Malaria geholt haben...

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Tag 11

Heute war schon wieder Abreisetag. Da der Flug aber erst gg. Abend ging, wollten wir uns noch den Seeräuberfriedhof anschauen. Auch das ging natürlich nicht ohne Guide... Bei einem alten Mann in einer Hütte kauften wir Zum Vergrößern bitte anklicken!zwei Eintrittskarten. Einige Kinder gingen mit uns zum Friedhof. Wir sind noch ca. 10min. dorthin durch Mangroven, Felder und über wackelige Brücken gelaufen. Die Grabsteine waren schon sehr verwildert und einige auch schon umgefallen. Virginie fand ein Grab in dem ein Seeräuber begraben war, der nur 40km von ihrem Heimatort Concoules in Frankreich  abstammte. Wir machten ein paar Bilder und wollten gerade gehen als eines der Kinder eine Schlange entdeckte. Sie war ca.120cm lang. Es war sehr beruhigend zu wissen das auf Madagaskar keine lebensgefährlich giftigen Tiere leben. Wir beobachteten die Schlange und machten uns dann auf den Rückweg. Natürlich wollten nun alle Kinder ein Trinkgeld, aber darauf haben wir uns auch nach langen Diskussionen nichtZum Vergrößern bitte anklicken! eingelassen. Die Kinder bekommen so ganz schnell keine Lust mehr auf die Schule, wen wundert's, kann man doch hier in ein paar Stunden mehr Geld verdienen als nach einer guten schulischen Ausbildung in einem Beruf.

Zurück am Hotel packten wir so langsam die Taschen. Wir wurden vom Hotelbus zum Flughafen gebracht. Unterwegs sammelten wir noch einige Vertreter der anderen Hotels ein, die wieder auf Tourijagd gehen wollten. Am Flughafen wurden wir wieder gewogen und nach kurzer Zeit schwebte auch schon die Twin Otter ein. Der Rückflug war anfangs sehr schön. Die Sonne bescherte uns einen wunderschönen Untergang. Dann wurde es dunkel. Nach ca. 1,5h begann der Landeanflug. Die Twin Otter landet anders als die großen schwebenden Jets. Kopfüber rast sie Richtung Piste und wir dann im letzten Moment abgefangen und aufgesetzt. So war das jetzt auch, nur das es dunkel war, absolut dunkel. Kein Licht brannte am Boden und so konnte ich nicht einschätzen wie hoch wir noch waren. Das Flugzeug flog und flog nach vorne geneigt dem Boden entgegen. Den anderen Passagieren stand auch die Angst im Gesicht. Ich hingegen war schon wieder etwas gelöster, denn ich war mir 100% sicher, dass wir nun auf dem Boden zerschellen werden. Kein Witz, ich war fest davon überzeugt zu sterben.
Alle waren jetzt stark beunruhigt, doch plötzlich erschien etwas Helles und Sekunden später setzten wir ohne Probleme auf der Landebahn des Flughafens auf. Es war also alles gut gewesen, zu jeder Zeit. Ich frage mich noch heute warum ich so eine Angst entwickelt habe, vielleicht kam es vom Lariam...

Nachdem wir unser Gepäck hatten, nahmen wir uns zusammen mit 2 Holländerinnen ein Taxi in die Stadt. Das ist in der Nacht ziemlich teuer, auch für unsere Verhältnisse. Wir fuhren zu Virginies Onkel um dort die Nacht zu verbringen.

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©  Tobias Dick 01/2003